Muskuloskelettales Training

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Muskuloskelettales Training bei Kindern und Jugendlichen mit Schmerzverstärkungssyndrom

Chronisch generalisierte Schmerzen im Bereich der Muskeln und Gelenke ohne erklärende organische Ursachen werden bei Kindern zunehmend häufiger beobachtet. In Deutschland sind annähernd 10 % aller Schulkinder betroffen, darunter vor allem Mädchen. Bei einem Teil der Patienten kommt es hierbei zu ausgeprägten Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates, die bis hin zur Gehunfähigkeit führen können. Typische Begleitsymptome sind bei dieser Patientengruppe das Auftreten von Schlafstörungen, einer ausgeprägte Tagesmüdigkeit sowie Bauch- und Kopfschmerzen. Es können erhebliche Schulausfälle, eine deutlich eingeschränkte Lebensqualität und somit ein hoher Leidensdruck resultieren. Die Ursache dieser Schmerzen ist nicht vollständig geklärt. Relativ sicher erscheint eine Störung in der Schmerzverarbeitung durch die zuständigen Bereiche des Gehirns, so dass Schmerzreize verstärkt wahrgenommen werden. Deshalb wird diese Erkrankung auch „Schmerzverstärkungssyndrom“ genannt. Einige Patienten entwickeln diese Beschwerden auch im Verlauf einer chronisch-rheumatischen Erkrankung wie der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA).

 Die Therapien sind aufwendig und langwierig. Nach dem sogenannten „multimodalen Prinzip“ nehmen die Kinder und Jugendlichen in der Regel mehrmals wöchentlich an Psychotherapien, Ergo- und Physiotherapien teil und erhalten oft zusätzlich osteopathische Behandlungen; Fango, Massagen und Entspannungstherapien kommen darüber hinaus hinzu. Ziel der Physiotherapie ist es, durch passives und aktives Training fehl- oder minder belastete Muskelgruppen erneut zu aktivieren und Verspannungen zu lösen. Immer mehr Beobachtungen an einzelnen Patienten liefern nun Hinweise für eine gute Wirkung eines Trainingsgerätes mit Ganzkörpervibration (Galileo®), dessen regelmäßiger Einsatz möglicherweise zu einer deutlichen Schmerzlinderung und dadurch bedingten Verbesserung der Lebensqualität bei diesen Patienten führt.

Das Galileo®-Trainingsgerät ist eine Platte, auf die sich der Patient mit leicht gebeugten Knien stellt und die dann mit einer bestimmten, wählbaren Frequenz seitlich hin und her wippt. Die entstehende Vibration wird über die Füße auf die Beine und wie beim Gehen durch das Hin- und Herkippen des Beckens auf die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur übertragen; die Muskulatur wird dabei reflexmäßig und ohne willentlichen Einfluss des Patienten trainiert. Frequenzabhängig resultieren eine Muskellockerung und verbesserte Muskelkoordination (Frequenzen von 12 bis 20 Hertz) sowie eine Verbesserung der Muskelkraft und Muskelleistung (Frequenzen von 20 bis 25 Hertz). Insbesondere die Muskellockerung kann zur Schmerzlinderung beitragen, da Schmerzen häufig durch schmerzbedingte muskuläre Verspannungen verstärkt werden.

In Studien an erwachsenen Patienten führte die Ganzkörpervibration zur Besserung chronischer Rückenschmerzen sowie zu einer deutlichen Abnahme von Muskelschmerzen und Müdigkeit mit gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität bei Patienten mit einer Fibromyalgie. Bisher gibt es jedoch keine kontrollierte Studie zur Objektivierung dieses Therapieeffektes bei Kindern mit einem Schmerzverstärkungssyndrom.

In Berlin wird daher eine Pilotstudie zum Ganzkörpervibrationstraining mit dem Galileo® bei insgesamt 30 Kindern und Jugendlichen (inkl. JIA-Patienten) mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates durchgeführt. Die Kinder und Jugendlichen erhalten über den gesamten Beobachtungszeitraum der Studie von 24 Wochen eine gewöhnliche Physio- und Psychotherapie. Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen erhalten in den ersten 12 Wochen, die zweite Hälfte in den zweiten 12 Wochen für das tägliche Training einen Galileo® für zu Hause. Ziel der Studie ist es, erstmals die Wirkung des Trainings mit dem Galileo® im Hinblick auf die Schmerzsymptomatik und Lebensqualität im Vergleich zur gewöhnlichen Physio- und Psychotherapie sowie die Verträglichkeit des Galileo®-Trainings zu untersuchen.

Sollte sich der bisher nur an Einzelbeobachtungen und Expertenmeinungen festgemachte Erfolg dieser Therapie im Rahmen dieser Pilotstudie und nachfolgend gegebenenfalls im Rahmen einer größeren, multizentrischen Studie bestätigen lassen, so könnte dieser Erfolg einen großen Fortschritt in der bisher langwierigen und schwierigen Therapie des Schmerzverstärkungssyndroms bedeuten.